Was würde Pippi Langstrumpf machen?

Ideen mit kreativer Limitation finden

Was kann ich machen, wenn ich keine Ideen habe, wenn mir einfach nichts passendes zum Thema einfällt? Auch wenn ich mich in meiner Kreativität trainiere und mir selber grundsätzlich ein gutes Zeugnis für kreatives Schaffen ausstellen würde, gibt es Momente, da läuft es nicht. Gar nicht!

Im Englischen würde man dazu „stuck stake“ sagen oder Blockade. Diese kommt gemeinsam mit einer negativen Spirale, die den Prozess weiter stört. Ist ja auch logisch, denn wenn ich eine Idee finden möchte und meine Fähigkeiten und Gedanken nichts Sinnvolles beitragen, dann steigt der Druck und die Unzufriedenheit. Meine Laune sinkt in den Keller und schlechte Laune ist der falsche Begleiter für kreatives Denken. Also sitze ich vor dem weißen Blatt Papier und grübel darüber nach, warum es nicht klappt und mache damit das Problem noch größer. Ich denke, Du kennst diesen Zustand.

Wenn ein Weg nicht funktioniert, dann sollte man einen anderen Weg ausprobieren und wenn ich aktuell selber Teil des Problems bin, dann hole ich mir Hilfe – und zwar von den ganz bedeutenden Menschen unserer Zeit. Ich nenne das kreative Limitation auch wenn meistens bei mir genau das Gegenteil passiert, nämlich neue, originelle Einfälle und Herangehensweisen. Technisch ist es trotzdem eine Einschränkung im Prozess, denn ich nehme bewusst eine Perspektive ein und schließe damit alle anderen aus. Das hilft mir, mich zu fokussieren, denn manchmal ist die Fülle an möglichen Richtungen und potentiellen Ideen genau das Problem. Wenn ich mich auf eine Komponente der Aufgabe konzentriere oder eben eine Haltung einnehme, dann klappt es für den Beginn besser. Wie gehe ich vor?

Ich habe eine Kartenspiel entwickelt, das den Namen „Was würde X tun?“ trägt. Abgebildet sind 32 Persönlichkeiten aus der Gegenwart und Vergangenheit, bei denen ich davon ausgehe, dass sie jeder kennt. Das macht die Nutzung genereller und einfacher. Ich ziehe verdeckt eine dieser Karten und überlege, wie die Person an das Thema rangehen würde. Damit umgehe ich primär meine eigene Persönlichkeit und meine Routinen zur Ideengewinnung. Ich versuche so zu denken und zu handeln wie diese Person.

Beispiel: Ich möchte eine Präsentation für ein Produkt erstellen und meine eigenen Methoden sind langweilig und motivieren mich nicht. Ich ziehe eine Karte: Christoph Kolumbus. Er würde wagemutig in See stechen mit dem klaren Ziel eine neue Präsentation zu erstellen, die er vor seinem inneren Auge schon vor sich sieht. Er würde eine Mannschaft um sich scharen, die bei der Erstellung unterstützt und dafür sorgt, dass das Ziel immer präsent ist. Wenn er dann die Präsentation fertig gestellt hat und feststellt, dass sie anderes geworden ist, erkundet er neugierig die Folien und stellt die wichtigsten Punkte heraus. So habe ich direkt eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für die Aufgabe erstellt und das dazugehörige mindset gleich mit.

Kreativität und Spielen

Eine weitere Idee, wie man das gut im Arbeitsumfeld mit der nötigen Portion Humor verbinden könnte, wäre ein Kleiderständer mit diversen unterschiedlichen Kopfbedeckungen. Dort findet sich eine Kapitänsmütze, ein Kochhut, ein Feuerwehrhelm, ein Sombrero, … Ich will eine Aufgabe kreativ beginnen und setze mir einen dieser Hüte auf und verhalte mich entsprechend. Wenn das im Team passiert, dann wird man mutiger an Aufgaben herantreten, da es ja alles nur ein Spiel ist. Also gibt es keine Angst vor Fehlentscheidungen und Fehlern.

Wir schlüpfen in Rollen von denen wir uns wieder verabschieden können. Das trägt dazu bei, dass ich die möglichen Risiken einer kreativen Aufgabe auf die Rolle übertrage und nicht mit meiner Person verbinde. Ein Sicherheitsnetz für verrückte Ideen.

Wenn das für dich, dein Team oder dein Unternehmen noch zu abwegig klingt, dann versuch es mal etwas angepasster. Auch hier geht es immer noch um Limitation. Nimm Dir ein Buch und schlage zufällig eine Seite auf und markiere ein Wort mit deinem Finger. Mache das noch 2-3 x und sammle die Begriffe. Jetzt hast Du alles was Du benötigst, um mit deiner Fragestellung zu agieren. Denn, die Begriffe sind Säulen deiner Geschichte/deiner Lösung und Du musst diese in deine kreative Idee einbinden. Du kannst Dich also daran langhangeln und musst nicht bei Null beginnen.

Ich habe mir dazu ein Spiel besorgt (was grundsätzlich ähnlich aufgebaut ist). Dort gibt es Begriffe, die auf kleinen runden Kärtchen abgebildet sind. Auf beiden Seiten ein unterschiedliches Motiv. Die Spielanleitung funktioniert wie folgt: Es wird eine bestimmte gefährliche Situation vorgelesen und man muss dann schnell 3 Begriffe ziehen mit denen man diese Situation überlebt. Dies muss man den Mitspielenden darlegen und dann wird abgestimmt, wer am wahrscheinlichsten da raus kommt.

Ich habe das Spiel verändert und nutze die Begriffe zur Ideefindung. Die spielerische Komponente bleibt, weil die Plättchen in einem undurchsichtigen Sack stecken und man nun blind zieht und daraus eine Idee entwickelt. Schnell, einfach und meistens lustig. Ich habe festgestellt, dass dadurch die Ideen verrückter und wilder werden und das kann einen hohen Einfluss auf die Gewichtung bei der Auswahl der Idee nach Originalität haben. Alleine würde sich viele von uns nicht trauen, wilde Ideen zu haben. Aus Angst davor, dass diese als dumm abgetan werden. Beim brainstorming geht es aber genau darum. Das Bewerten der Ideen kommt in einem folgenden Prozessschritt. Also zuerst viele wilde Ideen und dann bewerten. Das ist für viele von uns schwer einzuhalten und deswegen muss man auch brainstorming immer wieder trainieren.

Und um auf die Frage des Titels zu antworten: Pippi Langstrumpf würde sich ihre Welt so machen, wie sie ihr gefällt. Das heißt, sie würde ganz viele Dinge und Methoden ausprobieren und für sich so abwandeln bis sie funktionieren. Denn was funktioniert gewinnt.