Mehr Kreativität am Arbeitsplatz durch:
Es ist Ende November 2022 und ich sitze gerade an einer wissenschaftlichen Arbeit zum Thema „Kreativer Akt“ als ChatGPT veröffentlicht wird. Als Studierender bietet sich mir plötzlich die Möglichkeit, anstrengende und routinierte Arbeiten abzugeben. Die Frage stellt sich, ob die neuen Sprachmodelle in der Lage sind, wissenschaftliche Arbeiten zu erstellen und wie sie mein Leben erleichtern können. Ich hoffe auf die Muse für zähen Phasen und Momente der Lustlosigkeit.
Ich habe nach ersten Versuchen dennoch die Schriften eigenständig verfasst und die neuen Chatbots hauptsächlich zur Umformulierung genutzt, um das Lesen angenehmer zu gestalten. Zu umständlich und holprig in der Nutzung. Eine Anwendung für die erste Suche und Texterstellung war der Hauptanwendungsfall bei mir. Leider keine Revolution in Sicht.
Seit dem ist viel passiert und regelmäßig gibt es neue Modelle, die „kreative“ Aufgaben übernehmen können und es wurde viel darüber geschrieben, welche Jobs und Branchen bald wegfallen oder komplett von Künstlicher Intelligenz ersetzt werden. Ich denke, dass sich auch die Perspektive auf Large Language Models & Co. verändert hat und die erste Skepsis, Euphorie und Angst durch Neugier, Pragmatismus und Möglichkeiten ergänzt wird. Aber was ist jetzt konkret mit Kreativität. Nimmt uns KI das ab?
Sind künstliche Chatbots kreativ?
Einer der ersten Anwendungsfälle für die neuen Modelle war das Erstellen von Bildern aufgrund von Texteingabe. Gerade die ersten Ergebnisse waren durchaus kreativ, weil (wie bekannt) Schwierigkeiten mit menschlichen Gliedmaßen bestanden. 6 Finger pro Hand und ähnliche Beispiele sorgten für viel Frust bei den Nutzern. Trotzdem können die Ergebnisse per Definition kreativ genannt werden. Es ist etwas Neues und (meistens) Nützliches entstanden. Dies lässt sich von Bildern auf Musik, Videos und andere künstlerische Bereiche erweitern.
Doch ich habe Zweifel. Ist die KI das kreative Medium oder bin ich es noch als Mensch, der den richtigen Prompt finden muss und die Evaluation vornimmt?
Ich verstehe KI als Werkzeug, welches ich für meine kreativen Aufgaben nutzen kann. Damit ist die KI Teil meines kreatives Akts und eröffnet mir Möglichkeiten, die ich ohne nicht hätte oder mit viel Zeit und Aufwand verbunden wären. Ich kann KI bitten mir Ideen zu generieren. Danach kann ich die KI bitten, diese Ideen zu evaluieren und auch Iterationen sind bei den meisten Modellen möglich. Ich gehe davon aus, dass sich die KI mehr und mehr zum Agent entwickelt, der bei solchen Aufgaben an meiner Seite sein wird.
Dieser Agent bringt Fähigkeiten mit, die mit meinen kombiniert, meine Kreativität unterstützen werden. Allerdings ist Kreativität nicht nur ein Akt der sich durch Verhalten ausdrückt, sondern auch ein Prozess, der in mir stattfindet.
Schwächen der KI bei Kreativität
Es steht ausser Frage, dass KI Ideengenerierung durch divergentes Denken multipliziert und meinen persönlichen Filter (expertise bias) umgeht, um so auf neue und wilde Ideen kommt, die ich alleine nicht hätte. Die Kombination von Ideen und die Erstellung von grafischen Lösungen zeigt die Vielseitigkeit und das Potenzial, welche KI bietet. Durch Zugriff auf Unmengen von Daten und Wissen kann die KI auch einfacher auf den Ideen anderer aufbauen.
Kreativität ist allerdings mehr als das!
Kreativität erlaubt es mir mit meiner Umgebung in Austausch zu treten, mich zu entwickeln und zu lernen. Ich befürchte, dass wenn KI einen Teil dieses Prozesses abdeckt, einige wichtige Erkenntnisse verloren gehen. Kreativität findet mit anderen statt, die die kreativen Ergebnisse mit entwickeln, weiterdenken, bewerten und hinterfragen. Ich bezweifle, dass KI diesen Part vollständig übernehmen kann.
Kreativität ist auch eng verbunden mit Selbst-Wirksamkeit, intrinsischer Motivation und positiven Gemütszuständen. Wenn ich zentrale Aufgaben des kreativen Aktes an KI abgebe, dann liegt es nahe, dass diese Elemente dadurch beeinflusst werden und ich vermute, dass diese gehindert werden. Ich lasse meine Ideen durch KI erstellen und bin dadurch auch abhängig von der Quantität und Qualität des Ergebnisses. Ich selber bin häufig frustriert, weil das was ich mir in meiner Fantasie vorstelle, nicht produziert wird.
Was sagt die KI dazu?
Ich habe den Artikel in Perplexity geteilt und folgende Fragestellung dazu geschrieben: „Kannst Du bitte zu meinem Artikel und der Fragestellung deine Meinung teilen. Ich bitte dich deine Rolle als KI zur Kreativität einzuordnen und gerne auch mit mir zu diskutieren, wenn Du anderen Meinung bist. Bitte versuche deine Argumente kurz zu fassen, wenn es möglich ist.“
Hier sind die Antworten:
Meine Rolle als KI in der Kreativität
Ich sehe mich primär als Werkzeug und Erweiterung deiner kreativen Fähigkeiten. Meine Stärken liegen in:
- Ideengenerierung: Ich kann schnell viele Ansätze liefern, die du bewerten und weiterentwickeln kannst.
- Effizienz: Routinetätigkeiten wie Umformulierungen oder erste Entwürfe lassen sich durch mich beschleunigen.
- Zugang zu Wissen: Mein Training auf riesigen Datenmengen ermöglicht es mir, ungewöhnliche Verbindungen herzustellen.
Allerdings stimme ich dir zu, dass ich nicht wirklich kreativ bin. Kreativität erfordert Intention, Emotion und Kontextbewusstsein – all das fehlt mir. Meine „Kreativität“ ist eine algorithmische Simulation, die auf Mustern basiert.
Diskussionspunkte
- Abhängigkeit und Selbstwirksamkeit: Du befürchtest, dass die Auslagerung kreativer Aufgaben an KI langfristig die intrinsische Motivation oder das Gefühl der Selbstwirksamkeit beeinträchtigen könnte. Das ist ein berechtigter Punkt. Allerdings könnte man argumentieren, dass die Entlastung von Routineaufgaben dir mehr Raum für wirklich originelle Ideen gibt – vorausgesetzt, du setzt mich bewusst und gezielt ein.
- Kreativität als sozialer Prozess: Du schreibst, dass Kreativität im Austausch mit anderen entsteht. Hier sehe ich meine größte Schwäche: Ich kann zwar Ideen liefern, aber keinen echten Dialog führen oder kritisches Feedback geben, das über Daten hinausgeht. Dennoch könnte ich als „kreativer Sparringspartner“ dienen, der dich zu neuen Perspektiven anregt.
- Emotionale Tiefe: Du betonst, dass Kreativität eng mit Emotionen und persönlicher Erfahrung verknüpft ist. Hier stimme ich absolut zu – ich kann keine Emotionen empfinden oder persönliche Geschichten erzählen. Aber ich kann dir helfen, deine eigenen Emotionen klarer auszudrücken oder neue Narrative zu entwickeln.
Gemeinsames Fazit
Ich sehe meine Rolle nicht darin, dich zu ersetzen, sondern dich zu unterstützen. Deine Zweifel an meiner Fähigkeit, den menschlichen kreativen Prozess vollständig abzubilden, sind berechtigt – Kreativität ist mehr als Datenverarbeitung. Doch wenn wir unsere Stärken kombinieren (deine Intuition und mein analytisches Potenzial), können wir gemeinsam neue kreative Höhen erreichen.
Klingt für mich pragmatisch und harmoniebedürftig. Sind hier doch Gefühle im Spiel?