Mehr Kreativität am Arbeitsplatz durch:

Der kreative Akteur

Kreativität ist ein vielschichtiges individuelles Phänomen

Ein kreativer Akteur ist eine Person, die in einem Umfeld (materiell, sozial und kulturell) agiert und ihre einzigartigen Eigenschaften in kreativen Handlungen in Zusammenarbeit mit anderen Personen und physischen Objekten einsetzt.

Die Fähigkeit aus der Wahrnehmung der Umwelt originelle, überraschende und wertvolle Ideen, Lösungen und Artefakte zu entwickeln, ist dem Menschen angeboren. Das erleben die Eltern unter uns mit ihren Kindern täglich, die spielerisch mit einer enormen Vorstellungskraft und Fantasie die Welt erkunden.

Kreativität ist ein vielschichtiges individuelles Phänomen, das von mehreren miteinander verknüpften Komponenten beeinflusst wird. Dazu zählen Persönlichkeitsmerkmale, kognitive Stile, Fähigkeiten, Wissen und kreative Fertigkeiten. Diese relativ stabilen Komponenten tragen zum kreativen Potenzial einer Person bei und spielen eine Rolle bei der Bestimmung ihrer kreativen Leistung. Angelehnt an moderne Forschung verwende ich gerne den Begriff „kreative Ressourcen“ für die Kombination von Komponenten.

Kreativität im Augenblick – ein Leben lang

Die kreative Leistung kann von Tag zu Tag oder sogar von Augenblick zu Augenblick variieren. Dies bedeutet, dass kreatives Verhalten auch mit zusätzlichen situativen Ressourcen wie Druck, Zwang, Absicht, Motivation, Stimmung, Wahrnehmung und reflektierender Selbstkritik verbunden ist.

Die verschiedenen Aspekte der Kreativität geben Anlass zu wissenschaftlichen Diskussionen darüber, ob es sich um eine inhärente, stabile Eigenschaft ähnlich dem Intelligenzquotienten (IQ) handelt oder um einen Zustand, der vom Kontext abhängt und sich im Laufe des Lebens dynamisch entwickelt. Ich habe ja schon im letzten Beitrag davon geschrieben, dass Kreativität veränderbar und erlernbar ist.

Entsprechend dieser Einschätzung beeinflussen die Kombination und die Eigenschaften von Ressourcen in einem abhängigen System die menschliche Anpassungs- und Gestaltungsfähigkeit. Durch Selbstorganisation und die Interaktion seiner Komponenten zeigt das System im Laufe der Zeit Variabilität. Aus dieser systemischen Perspektive kann Kreativität als ein situativer Prozess sowie als eine lebenslange individuelle Entwicklung betrachtet werden, die sozial situiert ist und das Umfeld der interagierenden Schöpfer dynamisch gestaltet. Klingt etwas kryptisch? Der Absatz entstammt von einem meiner wissenschaftlichen Aufsätze über Kreativität. Umgangssprachlich heißt das: Sei Dir deiner kreativen Fähigkeiten bewusst, trainiere sie und so wirst Du dich weiterentwickeln.

Was Agenten mit Kreativität zu tun haben

Ich glaube an ein Kreativitäts-Modell (Elaborated Creative Behavior as Agentic Action (E-CBAA)), welches davon ausgeht, dass Individuen eine positive Disposition gegenüber Kreativität haben. Das bedeutet, dass sie ein unerschütterliches Vertrauen in ihre Fähigkeit haben, ihr Potenzial zu verwirklichen, und die oben genannten kreativen Ressourcen einsetzen, um innovative Ergebnisse zu erzielen. Das tun sie agentenhaft, was soviel bedeutet, wie zielgerichtetes Handeln.

Von besonderer Bedeutung dabei sind meiner Meinung nach die kreative Selbstwirksamkeit (Vertrauen in die eigenen kreativen Fertigkeiten) und die kreative Einstellung (das „creative mindset“). Zusammengenommen beeinflussen diese Faktoren, ob sich eine Person kreativ betätigt.

Kreative Selbstwahrnehmung

Zur kreativen Selbstwahrnehmung gehören auch die allgemeinen Überzeugungen über Kreativität, die fixiert oder formbar sein können. Eine fixe Denkweise kann sich negativ auf das kreative Selbstvertrauen auswirken, was zu einem geringeren kreativen Ergebnis und einem Mangel an Interesse an kreativen Aktivitäten führt. Das heißt, wer glaubt, dass er nicht kreativ ist und dass dies nicht verändert werden kann, der wird sich auch nicht verändern. In einer Studie wurde Teilnehmern Geschichten von kreativen Genies erzählt und daraus folgerten diese, dass sie selber so etwas nicht schaffen können. Die kreative Leistung in einer Aufgabe nach der Intervention sank im Vergleich zu vorher.

Oder wohlwollender formuliert: Wenn Du an lebenslanges Lernen glaubst und davon ausgehst, dass Du deine Fertigkeiten verbessern kannst, dann hat das einen positiven Einfluss auf deine kreativen Leistungen. Wenn eine Person in deinem Umfeld so eine Haltung und Einstellung hat, dann kann dies bereits deine Perspektive verändern.

Kreative Selbstwirksamkeit ist eine treibende Kraft hinter dem Handeln, die einen erheblichen Einfluss auf das Engagement, die Ausdauer und die Leistung einer Person bei kreativen Aufgaben haben kann. Verschiedene Faktoren wie frühere Erfahrungen, der soziale Kontext und die physische Umgebung können die kreative Selbstwirksamkeit beeinflussen. Wenn Du also an deinem kreativen Selbstvertrauen arbeiten möchtest, dann kannst Du:

  • Dir ein Umfeld schaffen, was Kreativität fördert, z.B. durch Tageslicht, Blick in die Natur, Pflanzen
  • dich mit Personen umgeben, denen Du vertraust und die Dir Sicherheit für deine Aufgaben geben
  • Dir eine Playlist zusammenstellen, die dich motiviert
  • eine Person suchen, die Dir wertschätzendes Feedback gibt und dich bestärkt

Dieser Beitrag soll Dir zeigen, wie viele Möglichkeiten Du als Akteur hast, um deine Kreativität zu beeinflussen. Gleichzeitig möchte ich auch darauf hinweisen, dass die Tagesform entscheidend sein kann. Wenn Dir heute nicht danach ist, dann mach eine Pause.