Mehr Kreativität am Arbeitsplatz durch:

Nur Genies sind kreativ

Stimmt das? Wer ist denn nun wirklich kreativ?

Die gute Nachricht direkt zu Beginn: Du bist kreativ! Das meine ich ganz ehrlich, auch wenn Du dich vielleicht an diesem Montagmorgen ganz anders fühlst und nicht wirklich daran glaubst, heute großartige Ideen zu haben und neue Lösungen zu produzieren.

Lange Zeit galten Menschen nur als kreativ, wenn sie eine herausragende Leistung vollbringen. Kreativität wurde damit als Fähigkeit ein paar wenigen zugeschrieben. Die Wissenschaft hat unterschieden zwischen diesen Genies und allen anderen. Der Fokus der Forschung galt dem Entdecken dieser einzigartigen Personen und ihren außergewöhnlichen Leistungen. Leonardo da Vinci, Mozart, Marie Curie, Einstein, Picasso und Thomas Edison sind gute Beispiele dafür. Deren Kreativität steht außer Frage und ihre Leistung und ihre Ergebnisse haben Generationen und Branchen nachhaltig beeinflusst. Das bezeichnet die Wissenschaft dann als große Kreativität, abgekürzt in Big C.

Ziel der Forschung war es, die Fähigkeiten dieser besonderen Menschen zu entschlüsseln. Man wollte herauszufinden, wie es diese kreativen Genies bewerkstelligen können, dass sie solche Leistung vollbringen.

Interessant ist dabei zum einen die Geschichte von Thomas Edison, der über 2.300 Patente angemeldet hat. Er ist auch bekannt geworden für den Ausspruch: „Genialität besteht zu einem Prozent aus Inspiration und zu 99 Prozent aus Transpiration“. Das gibt schon einen kleinen Einblick in die Art und Weise, wie Kreativität funktioniert und dass es viele Faktoren gibt, die entscheiden, wie kreativ eine Person ist. Anscheinend ist derjenige kreativ, der sich vielen kreativen Prozessen widmet und ausprobiert.

Ein weiteres Beispiel für kreatives Genie ist Vincent van Gogh, der über 900 Kunstwerke angefertigt hat und mit Sicherheit einer der bekanntesten Maler sein dürfte. Allerdings hat Vincent van Gogh seinen Weltruhm erst nach seinem Tod erhalten. Während seiner Schaffenszeit wurde sein Genie keineswegs erkannt, viele seiner Werke waren für die Menschen zu dunkel und eben nicht kreativ genug.

Alltagskreativität

Mit der Entwicklung der kreativen Wissenschaft veränderte sich der Fokus weg von Big C hin zur kleinen Kreativität, dem little c.

Jetzt kommst Du ins Spiel, denn little c ist ein Teil der Alltagskreativität, die wir alle vollbringen. Meistens ohne daran zu denken, dass wir kreativ sind. Das kann ein Kochrezept sein, welches aus den Lebensmitteln im Kühlschrank entsteht, die Gestaltung einer Geburtstagskarte, die nächste PowerPoint Präsentation oder eine Idee zur Firmen-Weihnachtsfeier. All das sind kreative Leistungen, die wir täglich vollbringen.

Diese Ideen artikulieren wir und sie werden von anderen wahrgenommen, bewertet, kritisiert oder verändert und dadurch als kreativ akzeptiert, wenn sie nützlich für die Problemstellung sind. Dadurch wird klar, dass Kreativität im Zusammenspiel mit anderen funktioniert, denn was nützlich ist und was nicht, liegt häufig in der Perspektive des Gegenüber, des Teams, der Familie, …

Wir folgen der Forschung weiter. Irgendwann entstand die Fragestellung, wie man denn genau zwischen dem kreativen Genie und der kleinen Kreativität unterscheidet, da beide als Enden auf einer Skala zu ungenau unterschieden werden können. Daraus entwickelte sich eine spezielle Form der Kreativität, die sich zeigt, wenn man in einem Bereich viel Erfahrung und Kenntnisse erlangt hat. Man spricht davon, dass dieser Zustand nach circa 10 Jahren Beschäftigung mit dem Thema erreicht wird. Bezeichnet wird diese Form der Kreativität als Pro c also professionelle kreative Beschäftigung. Dadurch zeigt sich schon etwas klarer, dass Kreativität erlernbar ist und sich weiterentwickelt, wenn man sich darum kümmert.

Eine neue Fragestellung, die mit Pro c entstand, ist die nach der Spezifikation von Kreativität. Ist Kreativität etwas, dass ich allgemein hab oder hängt es mit einem Bereich zusammen, in dem ich aktiv bin. Die richtige Antwort lautet diplomatisch: sowohl als auch. Deswegen schieben wir dieses Thema für einen folgenden Post auf die Ersatzbank.

Eine vierte Form der Kreativität ist mini c. Dabei geht es um die Kreativität, die nur dem Akteur selber bekannt ist. Denk zum Beispiel daran, dass Du zu einem speziellen Problem oder Thema eine neue Perspektive erlangst und sich deine Meinung/Haltung dadurch ändert. Du hast das nicht kommuniziert und bist in diesem Fall allein der Juror der Nützlichkeit dieser kreativen Idee.

Ich mag diese Art der Kreativität besonders, weil sie zeigt, dass man selber seine mentalen Denkkonzepte anpassen kann. Kreativität hat viel mit der eigenen Persönlichkeit zu tun und vor allen Dingen auch mit kreativem Selbstbewusstsein und kreativen „mindset“. Dazu mehr in einem anderen Beitrag.

Fassen wir kurz zusammen: Nicht nur die Genies sind kreativ, sondern jeder Mensch hat diese Fähigkeit. Es gibt eine Form der alltäglichen Kreativität, die wir anwenden und die uns hilft, uns im Leben anzupassen und zu entwickeln. Kreativität kann trainiert werden und vor allen Dingen kann sich deine Sicht auf deine eigene kreative Fähigkeit verändern.

Das hat einen großen Vorteil: Wenn Du an deine Kreativität glaubst, dann folgen daraus bessere Leistungen und zusätzlich noch ein gewisses Wohlbefinden, das man spürt, wenn man ein Problem gelöst hat. Zufriedenheit und mehr Selbstbewusstsein sind Ergebnisse von kreativen Prozessen.

So, jetzt liegt es an Dir, wie Du den weiteren Montag gestaltest: Kreativ oder nicht.