Mehr Kreativität am Arbeitsplatz durch:
In der heutigen Geschäftswelt ist Innovation der Schlüssel zum Erfolg – und das gilt besonders für kleine und mittlere Unternehmen (KMUs). Aber wusstest du, dass eine der wichtigsten Voraussetzungen für Innovation psychologische Sicherheit ist? Ohne diese fühlen sich Mitarbeiter oft nicht wohl dabei, neue Ideen zu äußern oder Risiken einzugehen. Lass uns gemeinsam anschauen, warum psychologische Sicherheit so wichtig für Innovation ist und wie du sie in deinem Unternehmen fördern kannst.
Was ist psychologische Sicherheit?
Psychologische Sicherheit bedeutet, dass sich Mitarbeiter in einem Team sicher fühlen, ihre Meinungen, Ideen und Bedenken zu äußern, ohne Angst vor negativen Konsequenzen zu haben. Amy Edmondson, Professorin an der Harvard Business School, prägte den Begriff und definierte ihn als „das geteilte Vertrauen, dass das Team ein sicherer Ort für zwischenmenschliche Risikobereitschaft ist“ (Edmondson, 1999). In einem Umfeld mit hoher psychologischer Sicherheit haben Mitarbeiter keine Angst davor, Fehler zuzugeben oder unkonventionelle Ideen vorzubringen.
Wie fördert psychologische Sicherheit Innovation?
- Fehler als Lernchance: In einem Umfeld mit psychologischer Sicherheit werden Fehler nicht bestraft, sondern als Lernmöglichkeiten gesehen. Dies ermutigt Mitarbeitende dazu, Risiken einzugehen und neue Ansätze auszuprobieren. Eine Studie von Hoffmann & Hanisch (2021) zeigt, dass Teams mit hoher psychologischer Sicherheit eher bereit sind, kreative Lösungen zu entwickeln und den Status quo zu hinterfragen.
- Offene Kommunikation: Psychologische Sicherheit fördert eine offene Kommunikation im Team. Wenn jeder seine Meinung äußern kann, entsteht eine Kultur des Ideenaustauschs. Google’s „Project Aristotle“ identifizierte psychologische Sicherheit als den wichtigsten Faktor für erfolgreiche Teams. Teams mit hoher psychologischer Sicherheit sind kreativer und innovativer, weil alle Perspektiven gehört werden (Google Project Aristotle).
- Experimentierfreude: Innovation erfordert Experimentierfreude – und die entsteht nur in einem Umfeld, in dem es okay ist, Fehler zu machen. In Unternehmen wie Google wird Mitarbeitern beispielsweise 20% ihrer Arbeitszeit zur Verfügung gestellt, um an eigenen Projekten zu arbeiten. Diese Freiheit fördert Kreativität und führt oft zu bahnbrechenden Innovationen.
Best practices
Nachdem die Wichtigkeit von psychologischer Sicherheit geklärt ist, möchte ich Dir ein paar Beispiele nennen, wie Unternehmen damit umgegangen sind.
Microsoft hat psychologische Sicherheit durch regelmäßige Mitarbeiterumfragen gemessen. Diese Umfragen halfen dem Unternehmen, den Grad der psychologischen Sicherheit in den Teams zu bewerten. Die Ergebnisse zeigten, dass Teams mit höheren Sicherheitswerten eine 12% höhere Zusammenarbeit und Innovation aufwiesen. Microsoft fand auch heraus, dass Teams mit höherer psychologischer Sicherheit eine 38%ige Steigerung der Leistung erzielten. Diese Erkenntnisse führten zu regelmäßigen Bewertungen der psychologischen Sicherheit innerhalb der Teams, was letztlich zu einer besseren Mitarbeiterzufriedenheit und Innovationskultur beitrug.
Deloitte führte das „Speak-Up“-Messinstrument ein, um psychologische Sicherheit in seinen Teams zu fördern. Dieses Tool ermutigte die Mitarbeiter, Bedenken und Ideen ohne Angst vor negativen Konsequenzen zu äußern. Innerhalb eines Jahres zeigte eine Umfrage eine 30%ige Steigerung des wahrgenommenen Grades an psychologischer Sicherheit, was zu einem deutlichen Anstieg des Mitarbeiterengagements führte. Diese Initiative verbesserte nicht nur die interne Kommunikation, sondern förderte auch Innovationen innerhalb des Unternehmens.
Patagonia misst ebenfalls regelmäßig die psychologische Sicherheit durch anonyme Umfragen und Fokusgruppen. Diese Maßnahmen führten dazu, dass das Unternehmen erkannte, dass einige Mitarbeiter sich während Meetings eingeschüchtert fühlten, ihre Meinung zu äußern. Durch die Einführung regelmäßiger Feedback-Schleifen konnte Patagonia innerhalb eines Jahres eine 30%ige Steigerung der Mitarbeiterengagement-Werte verzeichnen.
Wenn Du den Grad der psychologische Sicherheit bei Dir im Unternehmen messen möchtest, gibt es dazu verschiedene wissenschaftliche Fragebögen, u.a. auch von der Namensgeberin Amy Edmondson. Dieser validierte Fragebogen gibt einen schnellen (er benötigt nur 7 Elemente) Eindruck der psychologischen Sicherheit. Der Fragebogen wird mit einer 5er-Likert-Skala genutzt und hat teilweise negative Elemente (1, 3, 5).
- Wenn man in diesem Team einen Fehler macht, wird einem das oft vorgeworfen.
- Die Mitglieder dieses Teams sind in der Lage, Probleme und schwierige Themen anzusprechen.
- Die Leute in diesem Team lehnen andere manchmal ab, weil sie anders sind.
- Es ist sicher, in diesem Team ein Risiko einzugehen.
- Es ist schwierig, andere Teammitglieder um Hilfe zu bitten.
- Niemand in diesem Team würde absichtlich in einer Weise handeln, die meine Bemühungen untergräbt.
- Bei der Arbeit mit Mitgliedern dieses Teams werden meine einzigartigen Fähigkeiten und Talente geschätzt und genutzt.
Praktische Tipps zur Förderung psychologischer Sicherheit
Wichtiger als das Ergebnis zu kennen, ist die Beschäftigung damit und der Wille, die Situation zu verbessern. Dazu kannst Du die folgenden 4 Punkte als Basis nutzen.
- Offene Fehlerkultur etablieren: Ermutige dein Team dazu, offen über Fehler zu sprechen und aus ihnen zu lernen. Dies schafft Vertrauen und stärkt die Bereitschaft, Risiken einzugehen.
- Ideenvielfalt fördern: Schaffe eine Umgebung, in der alle Stimmen gehört werden – unabhängig von Hierarchie oder Position. Je vielfältiger die Perspektiven im Team sind, desto größer ist das kreative Potenzial.
- Regelmäßiges Feedback geben: Gib deinem Team regelmäßig konstruktives Feedback und ermutige sie dazu, auch dir Feedback zu geben. Dies stärkt das Vertrauen innerhalb des Teams und fördert die Zusammenarbeit.
- Führung durch Vorbild: Als Führungskraft solltest du selbst offen mit deinen eigenen Fehlern umgehen und zeigen, dass es okay ist, nicht immer perfekt zu sein. Das schafft Vertrauen und ermutigt dein Team dazu, ebenfalls offen zu sein.
Fazit
Psychologische Sicherheit ist der Schlüssel zur Förderung von Kreativität und Innovation in deinem Unternehmen. Indem du eine offene Fehlerkultur etablierst und dein Team ermutigst, Risiken einzugehen und neue Ideen auszuprobieren, schaffst du die Grundlage für kontinuierliche Innovationen. Für KMUs kann dies den entscheidenden Unterschied machen – denn nur wer wagt, gewinnt!